Wie ist dieser Online-Kurs aufgebaut?
Dr. Maribel Illig: Der Kurs ist an einem praktischen Beispiel orientiert. Man begleitet eine Lehrkraft aus der Elektrotechnik auf ihrem Weg, Künstliche Intelligenz kennenzulernen und zu überlegen, wie sie KI einsetzen kann. So wird das Thema möglichst praxisnah vermittelt.
Wie kann eine Lehrkraft KI konkret einsetzen? Haben Sie Beispiele?
Dr. Maribel Illig: Das ist sehr unterschiedlich. In der beruflichen Bildung muss man zwei Ebenen betrachten. Zum einen den eigentlichen Arbeitsprozess, denn wir unterrichten handlungsorientiert. Das heißt, wir schauen uns an, wie die Arbeitsprozesse in den jeweiligen Gewerken aussehen. Je nach Gewerk spielt KI dabei eine unterschiedliche Rolle.
Wenn ich zum Beispiel an die Feinwerkmechanik denke, dann gehört das Thema Predictive Maintenance dazu, etwa wenn ein Maschinenpark vorhanden ist. Dann kann man mit Anbietern von CNC-Maschinen sprechen und fragen, ob sie eine Softwareoberfläche oder Projektdaten bereitstellen können. So etwas kann in den Unterricht integriert werden, etwa indem ein Prompt für eine KI genutzt wird, die Maschinendaten auswertet. Das ist die Ebene des Arbeitsprozesses.
Die zweite Ebene ist die Frage, wie ich meinen Unterricht vereinfachen oder verbessern kann. Wie kann ich meine Unterrichtsvorbereitung mit KI anreichern? Und die dritte Ebene ist: Welche KI ist überhaupt sinnvoll? Das kann man am besten ausprobieren. Dabei merkt man zum Beispiel, dass ChatGPT nicht unbedingt das beste Werkzeug ist, wenn es um sehr feinwerkmechanische Antworten geht.
Wichtig ist deshalb, die Antworten von KI reflektieren und bewerten zu können. KI formuliert oft sehr überzeugend, kann aber trotzdem falsche Inhalte liefern. Teilnehmende müssen lernen, Ergebnisse kritisch einzuordnen. Denn am Ende des Tages stehen sie in der Prüfung ohne KI da und müssen die Inhalte verstanden haben. Es ist ein weiteres Werkzeug, das sinnvoll genutzt werden kann – aber die Bewertung der Ergebnisse ist entscheidend.
In welchen Sprachen ist der Online-Kurs verfügbar?
Dr. Maribel Illig: Der Kurs ist auf Englisch verfügbar. Da er browserbasiert ist, funktioniert die Übersetzung mit Google Translate aber gut. In Deutschland haben unsere Lehrkräfte den Lehrgang zum Beispiel einfach mit Google Translate genutzt. Das funktioniert in Sri Lanka genauso gut.
Wie können andere Akteure von dieser Arbeit profitieren?
Dr. Maribel Illig: Indem sie das Angebot ihren Lehrkräften zur Verfügung stellen. Das ist besonders wichtig, wenn man auf Entwicklungsländer schaut. Dort sollte man Lehrkräfte unterstützen, die oft nicht über dieselbe Ausstattung verfügen wie wir in Deutschland. Gleichzeitig sind sie genauso motiviert. Meiner Erfahrung nach sind das Lehrkräfte mit genauso viel Engagement und Leidenschaft, die jungen Menschen etwas beibringen wollen.
Für sie kann das Angebot eine Hilfe sein, um einen Zugang zum Thema zu finden, KI sinnvoll einzusetzen und weitere Inhalte oder Verlinkungen zu entdecken, auf die sie ohne Paywall zugreifen können.
Ist das Angebot auch für Berufsschullehrkräfte und betriebliche Ausbilderinnen und Ausbilder nutzbar?
Dr. Maribel Illig: Ja, auf jeden Fall. Gerade wir als ÜBS, also als überbetriebliche Bildungsstätte, sind ja die verlängerte Werkbank des Betriebs und ein Teil der betrieblichen Ausbildung. Deshalb passt das Angebot sehr gut auch für betriebliche Ausbilderinnen und Ausbilder.
Für Berufsschullehrkräfte gibt es in Deutschland zwar schon relativ viele Angebote, oft mit stärkerem pädagogischem Fokus. Aber der betriebliche Fokus ist noch nicht so gut abgedeckt. Dafür ist dieses Angebot aus meiner Sicht ein guter Einstieg.